Übernahme von WhatsApp durch Facebook

WhatsApp, der mehr als bekannte Instant-Messaging Dienst wurde heute von Facebook für einen stutzig machenden Betrag von 16 Milliarden $ aufgekauft worden. 3 Milliarden sollen in Form von Facebook Aktien noch folgen.

Wenn man sich die Situation der Instant Messaging Szene ansieht merkt man schnell wie die Verteilung aussieht: Die jungen Nutzer kommen nicht mehr so zu Facebook wie noch vor einigen Jahren.

Wer ist auf Facebook?

Ich beziehe mich in den folgenden Statistiken vor allem auf http://allfacebook.de/userdata/, welche leider aufgrund einer Beschränkung von Facebook (folgend nur noch als fb bezeichnet) am 15.06.2013 zu Ende sind. Dieser Zeitpunkt reicht allerdings um meine Thesen zu unterstützen, da das Wachstum von fb in einem ähnlichen Umfang fortgefahren ist. Alle Werte sind aus deutschen Statistiken, können allerdings aufgrund der weitgehend gleichen Einstellung zu sozialen Medien auf den ganzen deutschsprachigen Raum ausgeweitet werden.

Facebook Nutzerverteilung in Deutschland - 2013

Facebook Nutzerverteilung in Deutschland – 2013 – Quelle

Die Grafik rechts zeigt die Altersverteilung auf Facebook in Deutschland im Jahr 2013. Es gibt einen großen Bulg bei den 18-44 Jährigen (was sich gut auf 20-40 Jährige runden lässt). Ältere Nutzer sind höchstwahrscheinlich größtenteils eher technikverdrossener und benutzen das normale Telefon, kommen also vollkommen ohne soziale Netzwerke aus. Die jungen Nutzer sind wiederum sehr wenig vertreten im Vergleich zu diesem Bulg.

Da diese Zahlen alle absolut sind muss man sie zuerst in relative Zahlen umrechnen um ihnen eine größere Bedeutung zuzuschreiben. Als Quelle für die deutschen Bevölkerungsdaten nehme ich in diesem Fall eine Statistik von 2010 des Statistischen Bundesamtes Deutschland, hier die aufbereitete Quelle. Diese Daten sind zwar auf einem 3 Jahre früheren Stand als die Statistik von Facebook, es sind aber nur geringere Mengen des großen Bulges in eine andere Altersgruppe gerutscht und die allgemeine Situation hat sich in diesen 3 Jahren nur um einige Tausend Personen geändert.

Altersgruppe Bevölkerung Nicht auf fb Auf fb Prozent auf fb
Älter als 45 27,494 Mio. 22,694 Mio. 4,8 Mio. 17,4583545501%
18 bis 45 41,4325 Mio. 23,6325 Mio. 17,8 Mio. 42,9614433114%
18 bis 8 7,5 Mio. 4,1 Mio. 3,4 Mio. 45,3%
unter 8 5,5 Mio. 5,5 Mio. hoffentlich 0 Mio. 0%
Gesamt 81,9 Mio. 55,9 26 Mio. -

Hier werden nicht nur 13-18 Jährige gezählt, sondern es wird ein Alter von 8-18 angenommen. Viele Leute unter 13 melden sich mit einem etwas angehobenen Alter bereits früher an. Ein in Wahrheit 9 Jähriger macht sich auf Facebook wahrscheinlich zu einem 14 Jährigen, da ein angegebenes Alter von 20 bei den Inhalten dieser Kinder mehr auffallen würde. Die Werte werden nochmal durch einen anderen Fehler ausgeglichen: Viele Jugendliche geben ein Alter über 18 an um nicht jugendfreie Inhalte zu sehen. Die jüngeren Nutzer machen diesen statistischen Fehler wieder geringer.

Bevölkerung von 18-8 Jahre

Bevölkerung von 18-8 Jahre

Aus dieser Tabelle geht hervor, dass nur ~45% der deutschen Bevölkerung unter 18 auf Facebook registriert sind, wie man mithilfe der Grafik auf der rechten Seite noch besser erkennen kann. Je jünger die Gruppen sind, umso weniger sind bei fb angemeldet.

Eine solche Statistik ist, insbesondere in einem sozialen Netzwerk mit verlockenden Inhalten welche erst ab 18 freigegeben werden, nur mit Fehlern aufzustellen. Wie bereits weiter oben erwähnt muss die Altersangabe nicht zwingend dem wahren Alter der Person entsprechen und eine Person kann im Extremfall auch mehrere Accounts registriert haben. Als Anhaltspunkte kann man diese Daten jedoch auf jeden Fall verwenden.

Wer benutzt WhatsApp?

Diese Frage ist nochmals schwerer zu beantworten als die vorherige: WhatsApp (folgend nur noch als WA bezeichnet) verlangt wie fb keinen echten Altersnachweis. Anders als bei fb, verlangt WA allerdings nicht einmal eine persönliche Altersangabe, sondern verbindet jeden Account nur mit der Telefonnummer und einem beliebigen Namen (der ebenfalls nicht zwingend der Echte sein muss wie bei fb).

Zahlen der aktiven WhatsApp Nutzern. Quelle

Zahlen der aktiven WhatsApp Nutzern. Quelle

Es gibt nur eine einzige Statistik die die Nutzer von WA beschreibt, und das ist ihre Anzahl. Die Grafik auf der rechten Seite gibt 3 Zeitpunkte verbunden mit der Anzahl an aktiven Nutzern und den versendeten Nachrichten pro Tag an. Hier sieht man gut wie sich die Anzahl der Nutzer in weniger als einem Jahr mehr als verdoppelt hat, was vergleichbar ist mit dem Wachstum von fb früher.

Das fb Wachstum heute ist nicht mehr so stark wie damals. Auch wenn fb heute ungefähr 1,2 Milliarden Nutzer hat, sind diese trotzdem stärker in der Generation der heute 40 Jährigen angesiedelt. Jüngere Leute sind interessierter an Technik und haben eine niedrigere Hemmschwelle sich anzumelden, sind jedoch nicht so stark auf fb vertreten wie es sich vermuten lässt. Die über 40 Jährigen sind zwangsweise die Eltern der unter 18 Jährigen, was sie in einen Schleier der Beobachtung durch ihre eigenen Eltern treibt. Sie sind als Freunde hinzugefügt um Ärger zu vermeiden und würden alle geteilten Meldungen sehen wie jeder andere hinzugefügte Freund.

Diese Altersgruppe zieht sich als Folge auf diesen Zustand in ihre eigenen Netzwerke wie WA zurück, die nicht von ihren Eltern benutzt werden. Dadurch bekommen sie wieder einen eigenen Freiraum zurück, fühlen sich weniger beobachtet, teilen mehr Informationen (Bilder, Texte, …) mit ihren echten Freunden und bauen eine Bindung zum Netzwerk an sich auf.

Was wird aus Facebook und WhatsApp?

Facebook Aktie - Letzte 5 Tage - Quelle

Facebook Aktie – Letzte 5 Tage – Quelle

Da fb nun WA aufgekauft hat wird die zukünftige Entwicklung spannend. Ich kann nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen wie die breite Masse nun reagieren wird, aber mein persönliches Umfeld nimmt diese Neuerung nicht gerade mit ausgebreiteten Armen auf. Auch wenn fb beteuert hatte, es würde nichts an WA geändert werden („Whatsapp soll unter Facebook unabhängig bleiben“ – Mitte der Seite), bleibt trotzdem ein bitterer Beigeschmack, den nicht nur wir unter uns haben, sondern die Börsianer ebenfalls teilen. In den letzten 5 Tagen ging die fb Aktie heftig auf, ab und wieder auf, was auf eine leichte Unsicherheit des Marktes schließen lässt. Dazu kommen noch andere schlechte Erfahrungen mit damals sehr guten Netzwerken, die diese Übernahme jetzt in kein gutes Licht rücken (Microsoft kaufte Skype – Communitymeinung, Blog-Artikel & meine eigene Meinung).

Zusammenfassend

Facebook wird weiterhin stark bleiben, 1,2 Milliarden Nutzer sprechen für sich. Allerdings springt die jüngere Generation zunehmend von der Plattform ab und lässt fb so immer mehr altern. Viele Nutzer von WA werden in Zukunft abspringen, aus Angst, in das große System von fb eingegliedert zu werden. Spätestens nach den ersten Änderungen wird es einen großen Sprung hin zu anderen Plattformen geben, wenn WA auch nur ein bisschen in Richtung „facebookisierung“ geht. Und meiner Meinung nach wird dieser Zeitpunkt nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen.

Bei mir persönlich beginnt der Umstieg und die Überzeugungsarbeit für ein neues Netzwerk heute. Falls die Frage aufkommt, welchen Dienst ich nun für den Besten halte, dann lautet meine Antwort: Den Telegram Messenger. Die Zeit wird zeigen welcher Dienst jetzt an Fahrtwind aufnimmt, oder ob WA garnicht an vielen Nutzern verliert. Ich plädiere für meinen Teil aber fürs Erste für Telegram, und ich hoffe, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe.

2 Gedanken zu „Übernahme von WhatsApp durch Facebook

  1. Thomas

    Letztendlich haben sich viele nach der Übernahme durch Facebook nach Alternativen für Whatsapp bemüht. Einen interessanten Artikel dazu gab es auch auf http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2014-02/29543374-internationaler-boom-fuer-whatsapp-alternativen-threema-und-telegram-016.htm
    Allerdings habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass mit der Zeit viele Bekannte und Freunde, die gewechselt haben, wieder zu Whatsapp gewechselt sind, so dass eine Kommunikation über einen anderen Messenger recht schwierig wird.

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